Zuerst hieß es einmal, die Stadt zu verlassen. Besonderheit: Montagmorgen und Berufsverkehr. Wenn man das beherrscht, dann ist das Fahren in Indien wirklich kein Problem mehr. Es geht kunterbunt durcheinander und irgendwie doch auch vorwärts.
Die Hupe ist wirklich überlebenswichtig und ohne sie ist man hier verloren.
Eine Erkenntnis: ein Kastensystem gibt es in Indien auf jeden Fall noch – und zwar das im Straßenverkehr. Busse und LKWs sind definitiv die oberste Kaste. Danach kommen PKWs und große Motorräder, und dann kommt der Rest. Wer das nicht respektiert, der lebt gefährlich – speziell im Stadtverkehr.
Aber – auch diese Prüfung haben wir alle bestanden und nach circa eineinhalb Stunden hatten wir die ersten 25 km und damit den urbanen Raum hinter uns gelassen. Ab dann war das Fahren ein flüssiges und harmonisches Schwingen. Die Strecke führte durch kleinere Orte, vorbei an Reisfeldern und durch einen kleinen Nationalpark. In diesem Park waren dann auch die ersten Kuhherden zu sehen – und zwar so, wie man sich das in Indien vorstellt – eben mitten auf der Straße – laufend, stehend, schlafend.
In unserem neuen Domizil angekommen, gab es erst mal eine kleine Stärkung und dann Zeit zur freien Verfügung. Eine Gruppe entschied sich dazu, zu den Wasserfällen zu spazieren und dort dann auch zum Fuß der Wasserfälle hinab zu steigen.
Schon auf dem Hinweg zu den Wasserfällen sind uns die vielen Affen aufgefallen, die sich hier herum treiben. Auf dem Rückweg gab es zur Erfrischung eine Dose Sprite ohne zu bedenken, dass diese süße Leckerei auch den Affen schmecken könnte. Die ersten Betteleien von kleineren Affen konnten wir noch mit Drohgebärden abwehren. Eine halbe Sprite Dose später näherte sich dann aber ein größeres Exemplar. Drohgebärden beantwortete er mit Zähne fletschen, erhobenen Händen – und – langsamem näherkommen. Da fällt der Entschluss leicht, sich von der halben Dose Sprite zu trennen und nachzugeben. 😉 Man muss auch gönnen können. 😅
Nun ist hier bereits die Sonne untergegangen und es gibt gleich Abendessen. Morgen heißt es 7:30 Uhr bis 8:00 Uhr Frühstück, 8:20 Uhr abfahrbereit am Motorrad, und 8:30 Uhr aufsitzen und losfahren.
Aus Erfahrung gibt es nämlich Tage, an denen einem die Zeit davon läuft und das Worstcase Szenario wäre, wenn wir abends nicht vor Einbruch der Dunkelheit in unserem neuen Domizil angekommen sind. Warum? Weil Elefanten und Kühe keine Beleuchtung haben und Hunde auch nicht. Und weil man im Zweifelsfall nicht weiß, ob die drei Scheinwerfer hinter einem noch die eigenen Leute sind oder irgendwelche Inder, die sich dazwischen gemogelt haben. Also – früh aufbrechen und früh ankommen und lieber noch etwas Freizeit als Puffer haben.
Autor: Ralf Hoffmann – Fundrider & Projektmanager Indien







