Begonnen hat der Tag mit einer Warnung von Meryl an alle, dass Türen und Fenster der Hotelzimmer während des Frühstücks geschlossen bleiben sollten. Draußen auf den Balkonen haben nämlich schon ein paar Äffchen darauf gelauert, ob sie nicht irgendetwas aus den Zimmern stibitzen können. Später am Tag konnten wir dann beobachten, wie ein frecher Affe eine Tüte Chips vom Fahrersitz eines Überlandbusses geklaut hat.

Bei schönstem Wetter sind wir dann heute Morgen nach einem Briefing zu unserer heutigen Tagestour aufgebrochen. Ziel: das 140 km entfernte Pollachi. Besonderheit: heute ist der 11.11. und das geht – auch hier – nicht spurlos an allen vorbei.

Die Route führte uns durch Nationalparks, vorbei an Wasserfällen, diversen Kühen, Feldern und durch Wälder. Man kommt sich beim Motorradfahren in dieser Landschaft vor, als wäre man in einem Abenteuerfilm – aber es ist kein Film – es ist die wunderschöne Realität. Der erste Nationalpark nennt sich Vazhachal Forest Gardens und seine Wasserfälle sind nach diesem Waldgarten benannt.

Dieser Nationalpark ging dann in einen zweiten über, indem es eine ganze Menge Elefanten gibt. Gesehen haben wir heute noch keinen – in der Regel sind sie am Tag zurückgezogen in den Wäldern und nur in der Nacht kreuzen sie auch die Straßen. Vermutlich halten sie sich nachts aber auch direkt auf den Straßen auf, denn ihre Hinterlassenschaften sind überall zu sehen. So war dann auch die Warnung beim Briefing heute Morgen durchaus berechtigt. Wenn wir auf einen Elefanten getroffen wären, dann hätten wir gewendet und wären zurückgefahren. Ein Weiterfahren wäre sehr gefährlich gewesen, denn ein Elefant weicht nicht aus oder gar zurück, sondern versteht ein auf ihn zufahrendes Motorrad als Angreifer. Dieses Risiko war jedoch überschaubar. Ein viel größeres Risiko sind die Hinterlassenschaften der Elefanten. Die Größe und Ausmaße sind für einen Motorradfahrer durchaus als kritisch zu betrachten. Vor allem, wenn zuvor ein LKW den Haufen breit gefahren hat. Dann ist das ein guter Quadratmeter, den man besser nicht in einer Kurve unter die Reifen bekommt.

Tatsächlich sind unsere Guides sehr vorausschauend unterwegs und bei Elefantenkot auf der Straße – wie auch bei jedem anderen Risiko, wie zum Beispiel Affen auf der Straße, Wildschweine am Wegesrand, Ziegen oder Hunde – gibt es ein kurzes Hupsignal, das idealerweise von einem Motorradfahrer zum anderen nach hinten weitergegeben wird. So ist jeder gewarnt und kann sich darauf einstellen, dass weiter vorne eine Gefahrensituation lauert.

Eine solche Gefahrenquelle kann zum Beispiel auch ein Motorroller sein, auf dem der Sozius ein circa 3 m langes Ofenrohr transportiert. Aber nicht, wie man denken mag, in Längsrichtung, sondern tatsächlich quer auf dem Schoß. Aber immerhin – freundlicherweise hat der Fahrer des Motorrollers durch Hupen auf seine gefährliche Fracht aufmerksam gemacht. Eine vergleichbare Situation gab es dann in einem Ort – da war es dann kein Ofenrohr, sondern ein dicker Bund mit circa 3-4 m langen Palmwedeln – natürlich auch – quer zur Straße transportiert.

Da ist es dann schon eher eine witzige Angelegenheit, wenn mitten in einer Serpentine ein Affenpärchen fröhlich Liebe macht. Die Aussicht an dieser Stelle über das Tal war aber auch wirklich zu schön. Das Auge liebt ja schließlich mit. 😊

Von den 140 km, die wir heute zurückgelegt haben, waren ungefähr 120 schönste Kurvenstraßen. Von lang gezogenen entspannten Kurven bis hin zu einer Strecke von ca. 40 km, die quasi nur aus Serpentinen bestanden hat. So viele Kurven am Stück – da schlägt das Herz eines Motorradfahrers bis in den Helm.

Unsere Gruppe hat sich dann auch im Laufe des Tages nach Können und Geschwindigkeit sortiert und während im vorderen Teil durchaus (vernünftig!) sportlich gefahren wurde, ließ man es im hinteren Teil etwas gemütlicher angehen. Hauptsache, jede und jeder hat seinen Spaß und kann die unfassbar schöne Landschaft in vollen Zügen genießen.

Und eines ist auch ganz wichtig: Jeder von uns muss gut auf sich achten – denn unsere Mission ist es, zu helfen – und nicht, dass uns geholfen werden muss.

So sind wir dann auch am Nachmittag alle wohlbehalten in unserem neuen Domizil angekommen.

Hier hat uns ein kleiner Garten Eden erwartet. Jeder von uns hat seinen eigenen Bungalow – und die Bilder sprechen für sich.

Morgen werden wir von hier aus Ooty ansteuern.

Autor: Ralf Hoffmann – Fundrider & Projektmanager Indien