Der erste Teil unserer heutigen Route war eine Verbindungetappe. Nicht besonders anspruchsvoll und auch nicht besonders spektakulär. Diese knapp 100 km sind wir zeitweise sogar auf so etwas wie einer Autobahn gefahren. Auch hier fließt alles und man kann die Gedanken mal schweifen lassen. Bei unserem ersten kleinen Stopp haben wir uns Wasser und eine Staude Bananen besorgt. Ein perfekter kleiner Snack für zwischendurch.
Manfred, mit 73 Jahren unser ältester Teilnehmer, hat sich am ersten Tag beim Aufbocken des Motorrads leider eine Zerrung in der Wade zugezogen. Er hält aber tapfer durch. Als wir bei der Pause im Schatten standen, kam ein freundlicher Inder von der Seite und stellte ihm einen Stuhl hin. Er hatte Manfred beobachtet und wollte ihm einfach eine Sitzgelegenheit anbieten. Wir fanden das so rührend, dass es uns kurz die Tränen in die Augen gedrückt hat. So lieb und so uneigennützig – einfach nur nett. Wir haben ihm von unserer Mission erzählt – und natürlich ging es dann auch nicht ohne ein Selfie. Für InderInnen ist es etwas Besonderes, wenn sie sich mit Reisenden auf diese Art „verbinden“. Es hat wohl etwas mit dem hinduistischen Glauben zu tun, dass in Allem und Jedem der göttliche Funke steckt und man mit einer solchen Verbindung eine Art Netzwerk um die ganze Welt spannt. Das kann dann irgendwann im Nirvana sicherlich nicht schaden. 😉
Den zweiten Stopp haben wir als Mittagspause gemacht. Eine Gruppe von uns ist in ein vegetarisches Restaurant gegangen, die andere in ein tamilisches Restaurant. Der Bundesstaat, in dem wir uns nun befinden, heißt ja auch Tamil Nadu und ist eine Art zweites Sri Lanka. Das Hühnchen und alles, was wir dazu bekommen haben, war super lecker. Ja, scharf, aber eben auch super lecker. Gut, dass wir erst gesehen haben, wie das Hühnchen zubereitet wurde, nachdem wir es gegessen hatten. Aber hey – es war so gut durchgegart, dass darin sicherlich nichts mehr gelebt hat. 😉
Die Strecke vom Tal bis hoch nach Ooty auf stolze 2.420 m ü.NN. brachte uns noch mal gut 40 km Kurven und Serpentinen. Auf dieser Strecke gab es sehr viel Verkehr, vor allem auch Schwerlastverkehr, Busse und so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann. Bergauf fährt speziell der Schwerlastverkehr sehr langsam und man muss geeignete Stellen finden, um zu überholen, denn die herabfahrenden größeren Fahrzeuge können nur schwer bremsen und ausweichen. Und im Zweifelsfall bricht man ein Überholmanöver auch lieber mal ab.
Wir haben uns für die Fahrt nach oben in zwei Leistungsgruppen aufgeteilt. Auch hier gilt: vorne oder hinten ist nicht gut oder schlecht. Denn auch das Fahren in einer solchen Gruppe ist sinnbildlich. Jeder hat seine Aufgabe, jeder passt auf den anderen auf, und jeder ist wichtig. Und es geht nicht darum, dass einer schneller und einer langsamer ist, sondern dass alle am Ende heil ankommen.
Und das sind wir. Hier oben ist es sehr frisch und im Vergleich zum Tal – oder gar zum Ressort von gestern – ist es sogar kalt.
In den Zimmern sind es gerade mal 18°. Da werden wir heute Nacht wohl zum ersten Mal, seit wir in Indien sind, keine Klimaanlage anschalten. So viel steht fest.
Autor: Ralf Hoffmann – Fundrider & Projektmanager Indien







