Begonnen hat unser Tag recht unspektakulär. Frühstück, ganz kurzes Briefing, die Info, dass die Tagesetappe knapp 200 km lang sein wird, die Frage, ob wir einen Tempel, der auf unserem Weg liegt, besuchen wollen – einstimmiges „Ja“ – auf die Motorräder – und los. Nach der recht steilen Abfahrt auf sehr losem Untergrund hatten wir nach circa 30 Minuten relativ festen Boden unter den Reifen.

Die dann folgende Strecke war eine sehr harmonische und es trat eine gewisse Entspannung ein. Es sind diese Momente beim Motorrad fahren, wo alles im Fluss ist, man natürlich trotzdem konzentriert bleiben muss, man aber eben auch mal ein bisschen seinen Gedanken nachhängen kann.

Um ca. 13:00 haben wir Mittagspause gemacht. Das Hühnchen war super lecker. Dazu gab es Lemonjuice mit … Salz (!). Und zum Abschluss des Essens gab es Kümmel mit kandiertem Anis. Es soll sehr gut für die Verdauung sein und hat viel besser geschmeckt, als es sich anhört.

Und dann los zur zweiten Tagesetappe. Aber nach circa 10 km ging es erst mal nicht mehr weiter, denn Siggi hat vorsichtshalber angehalten, da ihr Motorrad plötzlich ziemlich laut wurde. Der Grund war schnell gefunden: der Krümmer des Auspuffs hatte sich vom Zylinder gelöst.

Da wir genügend Sozius Plätze frei haben, ist ein Guide mit dem Motorrad zurückgeblieben, Siggi hat das Motorrad von Meryl übernommen und Meryl ist bei ihrem Vater mitgefahren. Das war bisher die erste ernsthafte Panne bei – Achtung – Mathe: 18 Motorräder x ~1.000 km = ~18.000 km. Das zeigt, in welch gutem Zustand unsere Royal Enfields sind.

Und nur so nebenbei: wir hatten in dieser Woche nur einmal ein paar Spritzer Regen. Da hatten wir wirklich Glück, denn uns wurde berichtet, dass andere Urlauber hier in der gleichen Zeit schwere Monsunregen abbekommen haben. Aber irgendjemand scheint gut auf uns aufzupassen.

Und dann kamen wir bei besagtem Tempel an. Schon auf dem Parkplatz waren wir schnell im Mittelpunkt. Ein Gruppe Inder kam gerade vom Tempel, und ein Junge sprach uns mit den Worten an (O-Ton): „Can you make selfie? You to me? 😊“

Klar konnten wir – und dann wurden es immer mehr, die mit aufs Foto wollten. 😂

Dieser Tempel ist wirklich bemerkenswert. Alle legen ihre Schuhe vor dem Tempel ab – da liegen dann all unsere Motorradstiefel neben Flipflops und Croqs draußen vor der Tempelmauer – und keiner macht sich auch nur im geringsten Sorgen, dass die Motorradstiefel nach der Tempelbesichtigung nicht mehr da sein könnten. Der Tempel stammt aus dem 15. Jahrhundert und es hat ungefähr 100 Jahre gedauert, bis er fertig gestellt war. Die unterste Figurenreihe besteht ausnahmslos aus Elefanten. Sie tragen den Tempel, weil sie so stark sind. Darüber sind dann Tausende von anderen Figuren. Auffällig sind die vielen Tänzerinnen. Und alles wurde fein säuberlich aus massivem Stein herausgearbeitet. Unfassbar, was das für eine Arbeit gewesen sein muss.

Im Tempelhof kann man gelbe Ballen kaufen. Einer kostet fünf Cent. Wie uns Balaji erklärte, kann man sie im Tempel segnen lassen und verzehrt sie dann gemeinsam mit den Menschen, die einem wichtig sind.

Gegen 17:30 Uhr sind wir dann alle wohlbehalten in unserem heutigen Domizil angekommen. Es ist das The Spectrum Resort – Chikmagalur.

Autor: Ralf Hoffmann – Fundrider & Projektmanager Indien