Der Tagesablauf ist heute schnell erzählt. Nach einem großartigen Frühstück bekamen wir wieder das obligatorische Briefing. Nachdem Roland uns ein paar Infos gegeben hat, hat Deepak sein übliches „Good morning boys and girls – had a good sleep?” rausgehauen, was mittlerweile zu sehr viel Amüsement führt.

Die Ansage war 250 km Highway bis nach Agonda. Da heute Montag ist, war mit deutlich mehr Verkehr – vor allem Schwerlastverkehr – zu rechnen. Alles in allem haben wir die Strecke aber zügig gemeistert und sind gegen 15:00 Uhr in Agonda angekommen. Agonda liegt bereits im Bundesstaat Goa und entsprechend musste für die Überquerung der Grenze Reisepass und Führerschein bereitgehalten werden. Wie aller meistens wurden wir jedoch einfach so durchgewunken. Aber es gibt sie, diese Checkpoints an den Grenzen und mitunter haben wir beobachtet, dass PKWs oder LKWs auch kontrolliert wurden.

Mit diesen 251 km sind wir nun bei 1.468 km. Morgen folgen dann noch circa 80 km bis zu unserem Ziel – der Villa Rivercat in Mandrem/Goa. Alle Sponsoren, die eine kilometerabhängige Spende getätigt haben, können jetzt schon mal den Taschenrechner raus holen. 😅

Unser heutiges Domizil ist eine Bungalowreihe direkt am Strand. Die Hütten sind zwar sehr einfach eingerichtet, aber das spielt nun bei der Lage tatsächlich absolut überhaupt keine Rolle. So genießen wir heute also zum Ausklang des Tages ein sehr entspanntes Beachlife, gehen Baden und machen lange Spaziergänge an diesem Traumstrand. Und zu guter Letzt bekommen wir als Überraschung noch ein Candlelight Dinner am Strand beschert. Schöner kann ein Tag nicht enden.

Unser Freund und Tourbegleiter Balaji aus Rajasthan hat mitbekommen, dass ich diesen Tourblog schreibe und mir einen seiner Texte geschickt. Er hat nichts dagegen, dass ich ihn mit euch teile und war sogar ein wenig verlegen und stolz. Hier ist er also – mit DeepL aus dem Englischen übersetzt.

Warum ich Motorrad fahre?

Ein Motorrad ist ein Werkzeug, das mir ungeahnte Möglichkeiten eröffnet hat.

Beim Fahren nehme ich jedes Geräusch, jede Vibration, die kleinen Explosionen im Motor und den Untergrund bewusst wahr. Ich sammle visuelle, auditive und olfaktorische Eindrücke in Echtzeit. Das dient in erster Linie meinem Selbstschutz. Gleichzeitig entsteht aber auch ein kontinuierlicher Strom von Erlebnissen, die sich tief in meinem Unterbewusstsein einprägen. Im Sattel gibt es keine Zeit zum Verweilen. Keine Vergangenheit, keine Zukunft, nur das Jetzt.

Motorradfahren bedeutet, vorauszudenken und den Instinkt zu trainieren, basierend auf einem guten Verständnis der physikalischen Gesetze. Intuition spielt eine große Rolle, wenn wir lernen, ihr zuzuhören.

Wenn all das zusammenkommt, wird das Motorrad wahrhaftig zu einem Teil von uns. Dann geht es nicht mehr nur ums Fahren. Es geht darum, mit dem Leben in all seiner Lebendigkeit verbunden zu sein und es zu erleben.

Es fühlt sich an, als stünde das Leben still und ströme doch in rasender Geschwindigkeit dahin. Seltsamerweise bin ich mir dieses Paradoxons bewusst. Die Zeit verrinnt unaufhaltsam, und doch fühlt es sich an, als stünde sie still. Wahrscheinlich, weil Zeit nur dann relevant wird, wenn es eine Vergangenheit und eine Zukunft gibt, über die man nachdenken kann. Lebe ich nur im „Jetzt“, so beschränkt mich meine Vorstellungskraft darauf, über Vergangenheit und Zukunft nachzudenken, und so nehme ich das Ticken der Zeit gar nicht wahr.

Wenn ich eine Pause mache oder wieder zu Hause bin, erinnere ich mich plötzlich wieder klar an Dinge wie den seltsam gefärbten Kieselstein und den grauen Fisch in dem Bach, den ich durchquert habe, oder wie der Atem langsam auf meinem Schnurrbart und meinen Wimpern gefror, als ich durch einen Schneesturm fuhr. Manchmal ist es eine einfache Blume, die auf die Ladefläche eines Lastwagens gemalt ist, vom Wetter verblasst, aber dennoch frisch in meiner Erinnerung. Das schelmische Grinsen des Jungen, der mir von der Heckscheibe eines Autos zuwinkte.

Warum fahre ich also Motorrad? Der eine Hauptgrund von heute wird morgen von einem anderen abgelöst, und so ist es seit zweieinhalb Jahrzehnten.

© Balaji Devanathan

Autor: Ralf Hoffmann – Fundrider & Projektmanager Indien