Während in Europa die Weihnachtsmärkte ihre Lichter anzünden, bereiten wir uns hier in Phnom Penh auf etwas ganz anderes vor: den Start einer ganz besonderen Reise. Morgen beginnt die diesjährige Fundriding-Tour – über 1.500 Kilometer durch das Herz Kambodschas. Auf landestypischen Großradrollern werden wir in den kommenden Wochen Städte, Dörfer, Projektpartner und viele Begegnungen erleben – getragen von der Idee, mit Menschlichkeit, Aufmerksamkeit und konkreter Hilfe unterwegs zu sein.

In den letzten Tagen sind alle 17 Fundrider sicher in Phnom Penh angekommen – aus unterschiedlichen Regionen, mit verschiedenen Hintergründen, aber verbunden durch ein gemeinsames Ziel: Gutes tun.
Zur Reisegruppe gehören auch Roland Debschütz, Geschäftsführer der Kleinen Hilfsaktion e. V., Nadine Urbansky, Projektleiterin und Landeskennerin, mit ihrer Tochter Charlie, sowie Rolf Externbrink, langjähriger Co-Guide der Tour. Gemeinsam mit zwei kambodschanischen Guides werden sie die Gruppe durch das Land führen – sicher, sensibel und offen für die Geschichten, die auf uns warten.


Ankommen in Phnom Penh – erste Schritte im Land der Kontraste

Die vergangenen Tage standen ganz im Zeichen des Ankommens – körperlich, aber auch geistig.
Phnom Penh, die lebendige Hauptstadt des Landes, hat viele Seiten. Zwischen geschäftigem Verkehr und kolonialer Architektur, spirituellen Orten und modernen Cafés, begegnet uns ein Land, das sich ständig zwischen Vergangenheit und Aufbruch bewegt.

Wat Phnom, ein Tempel aus dem 14. Jahrhundert auf einem bewaldeten Hügel im Stadtzentrum, war für viele von uns die erste Station. Ein Ort des Gebets, der Stille – umgeben vom lauten Trubel der Stadt. Hier brennen Räucherstäbchen, flattern Gebetsfahnen, schlagen Gongs. Wer Glück braucht, reibt eine Statue. Wer Ruhe sucht, findet sie inmitten der tropischen Hitze.

Am Ufer des Tonle Sap liegt der prunkvolle Königspalast, Residenz des kambodschanischen Königs. Goldene Dächer, kunstvolle Stupas und ein leuchtend grüner Garten bieten ein Bild von Pracht und Geschichte. Die Silberpagode, deren Boden mit über 5.000 Silberfliesen ausgelegt ist, beherbergt religiöse Schätze wie eine smaragdgrüne Buddha-Statue und eine lebensgroße goldene Figur besetzt mit Diamanten.

Ganz anders – aber ebenso faszinierend – war der Besuch des Central Market (Phsar Thmei). Ein im Kolonialstil erbauter Kuppelbau mit vier langen Armen, der seit Jahrzehnten das Herz des städtischen Handels ist. Von frischem Fisch über Kleidung bis hin zu antikem Schmuck gibt es hier alles – der Geruch von Kräutern, das Klappern der Nähmaschinen, das Feilschen in vielen Sprachen: pure Lebensfreude.

Eher verborgen, aber besonders authentisch ist der Russian Market (Phsar Tuol Tom Poung) – benannt nach den russischen Käufern der 1980er Jahre. Enge Gänge, tropische Hitze, ein scheinbar chaotisches Labyrinth, das Handgemachtes, Streetfood und Alltagsware zugleich bietet. Wer durchkommt, kommt raus mit Geschichten – und manchmal mit einer neuen Tasche.


Wer verstehen will, muss erinnern

Neben all der Farbenpracht und dem geschäftigen Leben gab es zwei Orte, die uns tief bewegt haben – Orte, an denen man nicht fotografieren will, sondern schweigen muss.

Choeung Ek – Die Killing Fields

Etwa 15 Kilometer außerhalb der Stadt liegt das Gelände von Choeung Ek, einem der berüchtigten Killing Fields, wo die Roten Khmer zwischen 1975 und 1979 über 17.000 Menschen ermordeten. Die Atmosphäre ist still, fast unheimlich ruhig. Unter Bäumen ragen Gedenktafeln aus der Erde, zwischen den Wegen liegen Knochen und Kleidungsreste – Zeugnisse des Grauens, das sich hier abspielte.
In der gläsernen Stupa ruhen hunderte Schädel – geordnet nach Altersgruppen, sichtbar beschädigt. Es ist kein Ort, der fertig erzählt werden kann. Es ist ein Ort, der etwas mit einem macht.
Mehr erfahren über Choeung Ek (englisch)

Tuol Sleng – das Gefängnis S-21

Zurück im Stadtzentrum: Tuol Sleng, früher eine Schule, dann das berüchtigte Foltergefängnis S-21. Fast 20.000 Menschen wurden hier gefangen gehalten, gefoltert, zur „Geständnissen“ gezwungen – kaum einer überlebte.
Die Ausstellung ist nüchtern, erschütternd, dokumentarisch. Räume mit Eisenbetten, Fesseln, Fotografien. Vor allem die Porträts der Gefangenen – Männer, Frauen, Kinder – brennen sich ein.
Tuol Sleng ist heute ein Genozid-Museum und eine zentrale Erinnerungsstätte.
Mehr erfahren über Tuol Sleng / S-21 (englisch)


Ein kurzer Blick zurück: Die Zeit der Roten Khmer (1975–1979)

Die kommunistische Bewegung Rote Khmer, unter Führung von Pol Pot, übernahm 1975 die Macht in Kambodscha. Ziel war ein radikaler Umsturz: Abschaffung von Eigentum, Urbanisierung, Bildung, Religion.
Innerhalb von vier Jahren wurde nahezu ein Drittel der Bevölkerung ermordet oder durch Hunger, Zwangsarbeit und Folter getötet – bis zu 2 Millionen Menschen. Intellektuelle, Lehrende, Gläubige, Minderheiten – alle galten als „Staatsfeinde“.
Diese Zeit hat tiefe Wunden hinterlassen. Noch heute tragen viele Familien die Narben davon – körperlich wie seelisch.


Morgen beginnt die Reise – mit Verantwortung im Gepäck

Nach diesem dichten, eindrucksvollen Einstieg beginnt morgen die eigentliche Tour.
Erste Etappe: Phnom Penh – Kampot
Kampot – berühmt für seinen weltbekannten Pfeffer, malerisch gelegen zwischen Fluss und Bergen – ist unser erstes Ziel. Doch bevor es auf die Straße geht, steht ein Fahrsicherheitstraining auf dem Plan. Denn der Verkehr in Kambodscha folgt anderen Regeln – oder besser gesagt: flüssigen Übergängen zwischen Regeln, Chaos und Rücksicht.

Was uns verbindet: die Bereitschaft, Verantwortung zu tragen – auch im wortwörtlichen Sinne.
Im Gepäck der Fundrider befinden sich:

  • 🦽 15 Rollstühle für bedürftige Menschen mit Mobilitätseinschränkungen

  • 👓 Tausende Brillen für das Projekt Augenlicht, das kostenlose Sehhilfen ermöglicht

  • 💻 20 Laptops für die Kandieng Sustainable School in der Provinz Pursat – zur Förderung digitaler Bildung

Diese Dinge werden wir unterwegs an konkrete Menschen und Partner übergeben – nicht als „Geschenke“, sondern als Beiträge zu langfristiger Veränderung.


Mitfahren, Mitfühlen, Mitwirken – deine Unterstützung zählt

Wir nehmen euch in den kommenden Wochen mit – in Geschichten, Bildern und Begegnungen. Wenn du unsere Reise verfolgen willst, bleib dran über unsere Social-Media-Kanäle oder direkt hier im Blog.

Und wenn du Fundriding unterstützen möchtest, geht das ganz einfach:

👉 Jetzt spenden: www.fundriding.de/spenden


Jeder Beitrag hilft – nicht nur dabei, 1.500 Kilometer zurückzulegen, sondern auch dabei, Zukunft zu gestalten. Gemeinsam. Würdevoll. Nah dran.