Zwischen Boot, Bergen und einem Wald, der schwindet

Der sechste Tag der Fundriding-Tour beginnt früh – sehr früh. Die Sonne steht noch tief über Koh Rong Samloem, als die Fundrider ihre Sachen packen und sich auf den Rückweg zum Festland vorbereiten. Doch bevor die Reise weitergehen kann, wartet die erste kleine Herausforderung des Tages.

Morgens im Wasser – der Weg zurück zum Boot

Da das große Boot nicht nah genug an den Strand manövrieren kann, heißt es: Schwimmen ist angesagt.
Die Fundrider waten und schwimmen durch das klare, warme Wasser hinaus, während das Gepäck separat auf einem kleinen Longtail-Boot zum größeren Transferboot gebracht wird. Es ist ein ungewöhnlicher Start – und einer, der sofort wieder ein Lächeln auf die Gesichter zaubert.

Die anschließende Überfahrt dauert rund 2,5 Stunden. Langsam taucht am Horizont eine völlig andere Welt auf: die Skyline von Sihanoukville.

Sihanoukvilles Skyline – Sinnbild eines radikalen Umbruchs

In den letzten Jahren hat sich Sihanoukville stärker verändert als fast jede andere Stadt in Kambodscha. Wo früher eine überschaubare Küstenstadt lag, ragen heute Dutzende Hochhäuser, Hotelanlagen und Casinos in die Höhe – viele davon nie fertiggestellt.

Der Bauboom wurde maßgeblich von chinesischen Investoren angestoßen, die hier ein neues „Macau Südostasiens“ schaffen wollten. Milliarden flossen in Immobilien, Hotels und Spielhallen – oft ohne langfristiges Konzept, manchmal ohne Rücksicht auf Arbeits- und Umweltstandards. Als China 2019 Online-Glücksspiel verbot, brachen viele Projekte abrupt ab. Zurück blieben:

  • Bauruinen

  • halbfertige Türme

  • verlassene Baustellen

  • und eine Stadt, die sich neu sortieren muss

Der Kontrast zwischen Luxusambitionen und Realität ist auf den ersten Blick sichtbar – und macht Sihanoukville zu einem der ambivalentesten Orte des Landes.

Zurück auf die Roller – hinein in die Kardamom Mountains

Im Hafen werden die Roller entladen, neu beladen und gestartet. Die Tour führt nun ins Landesinnere, hinein in die Kardamom Mountains – eine der letzten großen Regenwaldregionen Südostasiens.

Auch hier hat der Fortschritt Einzug gehalten:
Eine neue, asphaltierte Straße verbindet heute Sihanoukville mit Ou Saom. Was früher fast einen ganzen Tag dauerte – teils über holprige Pisten – gelingt nun in wenigen Stunden. Ein Komfortgewinn, aber nicht nur das.

Entlang der Strecke ragen große Dämme und Stauseen auf. Die Informationen bestätigen sich:
Zwei Wasserkraftwerke in der Region werden von chinesischen Unternehmen gebaut und betrieben. Sie liefern Strom, treiben aber auch tiefgreifende Eingriffe in Ökosysteme voran – ein weiteres Beispiel für die komplexen Beziehungen zwischen Entwicklung, Abhängigkeiten und Natur.

Ankunft in Ou Saom – ein Dorf im Wandel

Ou Saom liegt abgelegen, umgeben von dichter Vegetation. Ein Ort, der einst fast nur über Pisten zu erreichen war und sich seinen Charakter weitgehend bewahrt hat. Die Fundrider machen hier einen Zwischenstopp für eine Übernachtung.

Ein Teil der Gruppe zieht am Nachmittag zusammen mit einem lokalen Guide los – hinein in den verbliebenen Regenwald.
Doch schnell zeigt sich: Der Wald wird von Jahr zu Jahr kleiner. Wo früher dichter Dschungel stand, öffnen sich heute Schneisen.

Die Gründe liegen offen:

  • illegaler Holzeinschlag, vor allem für wertvolle Tropenhölzer

  • großflächige Plantagen – insbesondere Bananenplantagen für den Export

  • wirtschaftlicher Druck auf lokale Gemeinden

Was bleibt, ist ein Gefühl zwischen Bewunderung für die Schönheit und Besorgnis über das Tempo des Verlusts.

Abendessen im lokalen Gasthaus – Geschichten, Austausch, Ankommen

Der Tag endet in einem kleinen Gasthaus im Ort.
Es gibt Reis, Gemüse, Fleisch, Suppen – einfache, aromatische Gerichte, gekocht wie für eine Familie. Der Austausch am Tisch ist lebhaft: Über die Strecke, die Landschaft, die Veränderungen im Land, aber auch über die eigenen Gedanken, die sich auf so einer Reise unausweichlich einstellen.

Nach einem langen Tag zwischen Insel, Straße und Regenwald fällt die Nacht früh – denn morgen geht es weiter. Tiefer hinein ins Land, näher heran an die Begegnungen, die das Herz der Reise ausmachen.