„These people are not just poor, they are really poor.“
Nach dem intensiven Einstieg in die Notfallhilfe an Tag 8 stehen die Tage 9, 10 und 11 ganz im Zeichen der Umsetzung. Es sind Tage, an denen Planung zu Realität wird – und Spenden zu konkreter Unterstützung für Menschen in akuten Lebenslagen.
Tag 9 – Abschluss in Pursat und Aufbruch in zwei Richtungen
Der Morgen von Tag 9 gehört noch einmal Pursat. Hier werden die begonnenen Notfallhilfeprojekte abgeschlossen. Je nach Bedarf liefern die Fundrider: Lebensmittelpakete, Kochmaterialien, Schlafsets und Fahrräder. Hilfen, die unmittelbar wirken und den Alltag der betroffenen Familien spürbar erleichtern.
Anschließend teilt sich die Gruppe. Ein Teil fährt nach Banan, ein anderer nach Bech Khlouk, um dort weitere Projekte umzusetzen. Fundriding wird hier sehr konkret: Verantwortung wird nicht weitergereicht, sondern übernommen – vor Ort, im direkten Kontakt.
Banan – Begegnung, die prägt
In Banan treffen die Fundrider auf Bong Kov, einen langjährigen Freund und verlässlichen Partner der Kleinen Hilfsaktion.
Mit seiner Organisation Barrebo koordiniert er seit vielen Jahren die Projekte in der Region – kennt die Familien, die Dörfer, die Geschichten hinter den Lebenssituationen.
Im Gespräch fällt ein Satz, der viele Fundrider noch lange beschäftigen wird:
„These people are not just poor, they are really poor.“
Für viele ist diese Aussage schwer auszuhalten. Denn sie macht deutlich, dass es eine Unterscheidung gibt, die wir aus unserem Alltag kaum kennen – zwischen relativer Armut und einer existenziellen Armut, in der es nicht um Einschränkung, sondern um Überleben geht.
Für einige Fundrider ist dieser Moment ein innerer Bruch: Zu erkennen, dass die Kategorien, mit denen wir Armut beschreiben, hier nicht mehr greifen.
Dass es Situationen gibt, in denen jede Rücklage fehlt, jede Absicherung, jede Perspektive. Diese Erkenntnis macht betroffen. Und sie verändert den Blick auf das, was Hilfe leisten kann – und leisten muss.
Ein Abend mit Bedeutung – Honeycomb Restaurant
Der Tag endet mit einem gemeinsamen Abendessen im Honeycomb Restaurant, das seit Kurzem von Sofy, der Tochter von Bong Kov, geführt wird. Sofy ist vielen Fundridern bekannt: Sie war die „Hauptdarstellerin“ im Filmprojekt „Menstrual Health & Puberty“, das zeigt, wie eng Bildung, Gesundheit und Selbstbestimmung miteinander verknüpft sind.
Der Abend ist ruhig, persönlich, getragen von Gesprächen über Verantwortung, Entwicklung und darüber, wie Lebenswege sich verändern können – wenn Menschen unterstützt werden, ohne ihnen ihre Würde zu nehmen.
Tage 10 und 11 – Notfallhilfe in Banan
Die Tage 10 und 11 stehen vollständig im Zeichen der Notfallhilfeprojekte in Banan. Die Fundrider besuchen Familien, deren Lebenslagen sich unterscheiden, aber immer wieder ähnliche Muster zeigen:
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Krankheit
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Verlust
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fehlendes Einkommen
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Verantwortung für Kinder oder Enkel
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fragile Wohnverhältnisse
Unterstützt wird dort, wo der Bedarf am größten ist – pragmatisch, respektvoll und immer in enger Abstimmung mit den lokalen Partnern. Diese Tage sind emotional fordernd. Nicht, weil die Projekte spektakulär wären – sondern weil sie ehrlich sind.
Phnom Sampov – Weite, Stille und ein besonderes Naturschauspiel
An einem der Abende fahren die Fundrider zum Tempel Phnom Sampov, der hoch über der Banan–Battambang-Ebene auf einem markanten Felsen liegt. Der Blick reicht weit über Reisfelder, Dörfer und Wasserläufe – ein Ort, der Abstand schafft und zum Innehalten einlädt.
Am Fuße des Berges folgt ein eindrucksvolles Naturschauspiel:
Aus der Batcave strömen bei Einbruch der Dämmerung Millionen von Fledermäusen in einem scheinbar endlosen Strom hinaus in Richtung Tonle Sap, um auf Nahrungssuche zu gehen.
Ein Moment der Stille nach intensiven Tagen.
Und ein Bild, das bleibt.
Was diese Tage hinterlassen
Die Tage 9 bis 11 zeigen, was Notfallhilfe wirklich bedeutet:
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präsent sein
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zuhören
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Verantwortung teilen
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Hilfe ermöglichen, ohne einfache Antworten zu liefern
Nicht jedes Projekt wird ein Leben dauerhaft verändern. Aber jedes Projekt verändert einen Moment – und manchmal ist genau das entscheidend.
Für viele Fundrider bleibt vor allem eines: das Bewusstsein, dass es Armut gibt, die weit über das hinausgeht, was wir kennen. Und dass Wegsehen angesichts dieser Realität keine Option ist.




















